16 Google Currents oder Flipboard, Pocket oder Instapaper: Warum Verlage sich Newsfeeder anschauen müssen

Google Currents oder Flipboard, Pocket oder Instapaper: Warum Verlage sich Newsfeeder anschauen müssen

 

Andreas Wiedmann

Mit dem letzte Woche auch in Deutschland gestarteten Google Currents hat der bisherige Platzhirsch Flipboard bei den Tools für kuratierte Informationen (aus Websites, Blogs, Videos, Tweets, etc.) einen Wettbewerber bekommen. Im Grunde geht es bei beiden Tools darum, dass in einer App alle Informationen von angeschlossenen Websites / Tweets zu einem Thema aktualisiert auf irgendeinem Device (Smartphone, Tablet, eReader, PC) dargestellt werden. Die Themenauswahl ist zumeist vorgegeben – ebenso die Informationsquellen, die meistens von Verlagen und/oder Blogs kommen.

Google Currents

Google Currents

Quelle/Copyright: Google

Bei Pocket (Ex-Read-it-Later) oder Instapaper ist der Prozess etwas anders: Ähnlich wie bei Pinterest stellt der Nutzer interessante Informationen über einen zusätzlichen Button in seiner Explorer-Zeile (oder einem gesonderten Dienst bei Twitter oder Facebook) für sich selbst zusammen, die er dann später – auch offline – auf irgendeinem Device lesen kann. Hier definiert also der User selbst die Inhalte – im Prinzip sind es die Seiten aus der Zeitung, die der Leser am Morgen vor dem Wegwerfen der Zeitung heraus reißt, um sie am Abend bei der Rückfahrt von der Arbeit in der S-Bahn zu lesen…

Pocket auf diversen Devices

Pocket auf diversen Devices

Quelle/Copyright: Pocket

 

Beiden Newsfeeder-Diensten gemein ist, dass die Verlage zunächst damit kein Geschäftsmodell verbinden können – da ihre Informationen ja derzeit ohnehin schon im Netz stehen und damit abrufbar sind. Interessant sind für Verlage jedoch zwei Dinge:

  1. Der Erfolg von Flipboard (5 Mio User schon Ende 2011) zeigt, dass diese Art der Informationsdarstellung zunehmend relevant wird. D.h. für Verlage, dass sie sich mit zweierlei abfinden müssen:
    • Informationen sind nicht mehr exklusiv. Der digitale User nimmt Informationen aus verschiedenen Quellen zu einem Thema und hat auch keine Scheu, diese nebeneinander darstellen zu lassen. Aktualität und Qualität der Information zählen damit für den Verlag, um bestehen zu können, mehr denn je.
    • Die Art der Informationsaufbereitung für eine Website scheint auch oftmals für einen solchen Newsfeeder, der ja in Form eines interaktiven und aktuellem e-Magazines daher kommt, völlig ausreichend zu sein. Mehr Informationen, mehr Aufbereitung scheint nicht notwendig zu sein.
  2. Der Markt für individualisierte, kuratierte Informationen wird mit Flipboard, Currents oder eben auch mit Pocket oder Instapaper vorbereitet. Verlage müssen sich um diese Tools kümmern um damit den Prozess der Curation und den Nutzer von Curation verstehen zu lernen. Vor allem auch im Hinblick auf wahrscheinlich bald auftauchende White-Label-Lösungen – d.h.: Software-Lösungen von Flipboard oder Pocket, die es Verlagen (oder eben auch anderen Anbietern) ermöglicht, für extra kleine / spitze Zielgruppen selbst einen entsprechenden Newsfeeder zu generieren. Und sich dafür natürlich dann via Verkauf dieses speziellen Newsfeeders als App / In-App-Purchase bezahlen zu lassen.In den Sachbuch – / Ratgeber-Redaktionen könnten solch kuratierte Informationen – zunächst evtl. noch als nützlicher Nebeneffekt der alltäglichen Arbeit an einem Thema – den Interessenten zur Verfügung gestellt werden. Darüber lassen sich Kontakte zur Zielgruppe aufbauen, explizites Zielgruppen-Marketing betreiben – und auch erste Umsätze mit bezahlten Apps generieren.

Newsfeeder sehen – auf den ersten Blick – aus wie eine weitere kostenlose Verwertungsmaschine, die den Verlagen vielleicht Reichweite, aber keine Monetarisierung bringt. Mit den richtigen Tools richtig zu Ende gedacht, liegt darin eine weitere Chance, im digitalen Umfeld mit Zielgruppen gerechter Curation Geld zu verdienen.

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Google Currents oder Flipboard, Pocket oder Instapaper: Warum Verlage sich Newsfeeder anschauen müssen Copyright © 2012 by Harald Henzler, Andreas Wiedmann, Fabian Kern. All Rights Reserved.

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