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Pinterest – Eine Chance für Verlage und Buchhandlungen

 

Dr. Harald Henzler, Andreas Wiedmann

Seit Jahresbeginn ist in den einschlägigen deutschen Medien auf einmal ein neuer Social Media Hype ausgebrochen: Pinterest. Um was geht es?

Die gute alte Kühlschranktüre oder die Korktafel in der Küche voll mit Notizen ist zurück: Postkarten, Bilder, Notizen, Visitenkarten, Rezepte und ähnliches hingen oder hängen immer noch an diesen Orten – und werden beim Besuch der Freunde von denen immer wieder inspiziert: Genauso funktioniert Pinterest (Pin an Interest = Pinterest). Bei Pinterest werden durch das Drücken eines sich automatisch installierenden Pinterest-Buttons in der Favoriten-Zeile des Browsers (Explorer, Firefox, Chrome, Safari, etc.) alle Photos und Videos (und nur die und kein Text) der aktuell im Browser aufgerufen Website in einem gesonderten Fenster angezeigt, die dann – mit einem eigenen Kommentar versehen und einer speziellen Gruppe / einem speziellen Thema zugeordnet – als Pins auf seine eigene Pinterest-Website hochgeladen werden können.

Nachdem es im Zeitalter von Facebook nun viele, viele Freunde gibt, die die eigene Pinnwand / den eigenen Kühlschrank auch virtuell anschauen können, können diese natürlich die eingestellten Pins beurteilen (Vote: Like / Dislike), kommentieren und natürlich auch teilen (Share). Im Prinzip funktioniert Pinterest als Zwischending zwischen dem etwas ausführlicheren Facebook und dem kurzen, rein textlastigen Twitter – nur eben beschränkt auf Bilder und Videos und mit kurzen Kommentaren versehen, die auf thematisch unterschiedliche Boards gepinnt werden. Verknüpft ist Pinterest von vorneherein mit Facebook und / oder Twitter – so dass hier nicht nochmals eine Community angelegt werden muss, sondern die bestehende Community sofort eingebunden werden kann. Dadurch und durch den Pinterest-Button im Browser ist ein Bild / ein Video innerhalb von 10 Sekunden auf die Pinnwand gepinnt – und damit sehr schnell auf der eigenen Pinterest-Website.

Wie können Verlage und Buchhandlungen Pinterest nutzen?

Verlage und Buchhandlungen können schnell und einfach Ihre eigene Pinterest Seite erstellen.

Verlage können pro Autor ein Board bauen und dort ihre Pins pinnen: Das Cover des Buches, ein Photo der Autorin, ein Plakat der Lesereise, ein Video des Autors, ein Interview aus dem TV, ggf. auch ein Kochrezept aus dem Kochbuch, ein Foto aus dem Bildband, etc. – all das, was das Urheberrecht zulässt.

Buchhandlungen können das Buch der Woche ähnlich wie die Verlage an ihr Board pinnen – gerne verknüpft mit dem Photo der empfehlenden Buchhändlerin, Bildern der letzten Lesung des Autors oder auch Bilder von Kunden, die das Buch gerade gekauft haben und empfehlen wollen – auch da gilt: Urheberrecht beachten. Am Besten die Bilder / Videos von der eigenen Website pinnen – dann gibt es keine urheberrechtlichen Probleme und die Verlinkung auf die eigene Website ist auch gleich gewährleistet.

Die so gepinnten Boards werden nun an die (vorhandene?) Community versandt – indem man die Facebook/Twitter-Freunde zu Pinterest einlädt. Der Unterschied zur Kühlschranktüre in der Küche ist von Vorteil: Die Photos sind verlinkt – eben regelmäßig mit der Website des Rechteinhabers – und steuern mit dem Anklicken des Bildes / Videos den Traffic auf diese Website (des Verlages, der Buchhandlung). Dort sind die Buchcover eben nicht nur Buchcover, sondern eben auch sofort Produkte, die dann digital gekauft werden können – als gedrucktes Buch oder als eBook. Und darin liegt dann eines Tages auch das Geschäftsmodell von Pinterest: Affiliate – Gebühren oder auf Deutsch: Gebühren für die Vermittlung von Umsätzen, sofern sie über diese Verbindung erstellt wurden.

Nachdem Pinterest in Deutschland gerade erst noch im Aufbau begriffen ist, kann man noch keine Wunderdinge in Sachen zusätzlicher digitaler Medienpräsenz erwarten – auf der anderen Seite lässt sich damit jetzt schnell und sehr, sehr einfach üben, wie sich Social Media Marketing für Verlage und Buchhandlungen erfolgreich erweitern lässt. Und Spaß macht es eben auch.

Beispiele aus den USA

Die Vorteile im Businessbereich für einen Einsatz im Rahmen der eigenen PR und Vermarktung zeigen ein paar Beispiele aus den USA. Wie immer geht es um die zentrale Frage, wie man einen direkten Kontakt zum Kunden auf- und ausbaut.

Eigene Bilder posten und dadurch zusätzlichen Traffic auf die eigenen Website lenken

Hier ist die schon einmal erwähnte Website von Anna White ein gutes Beispiel, wie das Posten von eigenen Bildern auf Pinterest täglich fast 6.000 Besucher auf die eigenen Seiten lockt. Anna White bietet auf ihrer Website Anleitungen zum schönen Gestalten des Eigenheims. Anleitungen und die Bilder der Möbel werden auf Pinterest gepinnt. Es sind Originalbilder, die immer auf die Quelle verweisen und dadurch das eigene Angebot bekannter machen. Natürlich eignet sich das besonders gut bei einem Thema wie selbstgestaltete Möbel. Aber warum sollten Verlage und Buchhandlungen nicht auch eigene Werbekampagnen, Cover oder Aufnahmen von Autoren hier “pinnen”? Kataloge von Büchern ließen sich ebenfalls einbinden. Oder man kann nach dem Aufbau einer Fangemeinde Wettbewerbe zu den Covern von Büchern veranstalten.

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Quelle/Copyright: Pinterest, Anna White


Wie du mir, so ich Dir

Wie immer im Netz gehört das Geben und Nehmen dazu. Nur die eigenen Bilder zu pinnen ist der erste Schritt. Um den Traffic zu erhöhen, sollten auch noch verwandte Bilder von anderen aufgenommen werden. Das ermöglicht die allmähliche Entwicklung von Themengebieten, weil sich mit der Zeit alle Interessierten hier versammeln. Chobani Joghurts stellt deshalb z.B. auch Bilder anderer auf seine Seite.

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Quelle/Copyright: Pinterest, Chobani Joghurts


Serien zu Themen anlegen

Ein gelungenes Beispiel aus der Verlagswelt bietet das Wall Street Journal. Hier werden ganze Serien angelegt zu bestimmten Themen. Jeder Kunde kann sich somit seinen Vorlieben entsprechend das passende “Abo” aussuchen. Angesichts der Fülle an Inhalten, die Verlage in der Regel bieten, ein sinnvoller Weg.

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Quelle/Copyright: Pinterest, Wall Street Journal

Einen Schritt weiter geht dann der Bereich WSJ select, in dem man exklusive Angebote der WSJ erhält oder auch Sonderangebote. Da künftig zusätzliche Services oder der Verkauf anderer Produkte sicher an Bedeutung zunehmen werden, ist dies ein weiterer Weg, Kunden direkt zu erreichen.

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Quelle/Copyright: Pinterest, Wall Street Journal

Auch wenn der erste Hype um Pinterest – ganz dem Gartner Hype-Cycle entsprechend – sich etwas beruhigt hat: Zum Nicht-Beachten und damit auch zum Nicht-Ausprobieren ist die Plattform eigentlich schon zu groß – und der Aufwand zu gering, die Wirkung von Pinterest nicht zu testen.

License

Pinterest - Eine Chance für Verlage und Buchhandlungen Copyright © 2012 by Harald Henzler, Andreas Wiedmann, Fabian Kern. All Rights Reserved.

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